Traumfabrik auf dem Prüfstand

4 04 2008

Hollywood hat seine eigenen Regeln. Immer dann, wenn ein Raumschiff durch ein Wurmloch reist, eine Raumfähre künstliche Gravitation erzeugt, oder Superman die Vergangenheit verändert, rollen sich den Wissenschafltern die Fußnägel hoch und ein kalter Schauer läuft ihnen über den Rücken. Die heiligen Gesetze der Wissenschaft stören offenbar nur in Hollywood und werden gerne mal überstrapaziert.

Dennoch: Was die Experten schockt, lockt ein “Wow, krass” aus dem staundenden Gesicht des Betrachters. Das Interesse für Kino ist da, die Leidenschaft zur Wissenschaft aber nicht. Ein von der EU gefördertes Projekt will die Lücke zwischen erstaunten Cineasten und der Wissenschaft schließen und macht sich die Faszination von Hollywood eigen.

Auf der Internetseite Cisci sollen Wissenschaft und Film Hand in Hand gehen. Hier können Autoren unter bestimmten Regeln Filmszenen beschreiben und wissenschaftlich untermalen, eher aber widerlegen. Denn die meisten Stunts und Szenen entspringen alleine der Fantasie der Drehbuchautoren und haben mit der Realität nicht viel zu tun.

So würde es beispielsweise Spiderman den Arm abreißen, wenn er sich gewohnt lässig durch seine Spinnenfäden vor dem drohenden Absturz rettet und dann elegant durch die Lüfte schwingt. Grund dafür: Die Kräfte, die auf seinen Arm einwirken, entsprechen dem vielfachen seines eigenen Körpergwichts und sind so stark, dass sie in der dunklen Vergangenheit genutzt wurden, um bei der Folter des “Vierteilens” den Delinquenten mihilfe von Pferden zu “zerpflücken”.

Auch Superman biegt und bricht die Gesetze der Physik gerne: In dem er immer schneller um die Erde fliegt, will er in die Vergangenheit reisen und so den Tod seiner Geliebten Lois Laine rückgängig machen. Zum Glück von Superman gibt es in seiner Welt keinen Albert Einstein, dessen Spezielle Relativitätstheorie in unserer Welt ein solches Unterfangen verbietet, da Superman mit unendlich großer Energie reisen müsste, was unmöglich ist.

Ist auf jeden Fall nicht super schlau: Sonst wüsste er, dass er gegen die Spezielle Relativitätstheorie nicht ankommt! Bild: mts.net

Der Physiker Heinz Oberhummer von der Universität Wien rief das Projekt Cisci mit anderen Wissenschaftlern ins Leben, welches sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Nach Aussagen von Oberhummer, kommen die meisten Beiträge für die Datenbank von Lehrern, deren Einsendungen anschließend von Wissenschaftlern geprüft werden.

Besonders lang ist die Liste der Beiträge im Bereich Mechanik, wo wir mehr über Spidermans abgerissene Arme erfahren. Die Genauigkeit der wissenschaftlichen Beschreibung reicht von einfach, bis “formellastig” und nimmt mit teilweise 12 Seiten fast epische Ausmaße an.

Die Vielfalt der Themen ist groß und viele Beiträge sind sehr interessant. Allerdings ist die Navigation etwas umständlich und viele Autoren brauchen bis zu fünf Seiten, bis es endlich an das wissenschaftliche Eingemachte geht.

Obwohl einige Beiträge lobhaft erwähnen und zeigen, dass nicht alles irrwitzig ist, beschränken sich die meisten Erklärungen auf das Widerlegen. Nach einem einfachen “Das ist nicht möglich” ist der Drops meist gelutscht und der Abgesang gesungen. So schaffen es die wenigsten Beiträge, mithilfe einer wissenschaftlichen Erklärung die Faszination für ihre Disziplin hervorzurufen.

Und mal ehrlich: Wer lacht nicht nur einfach, wenn das Opossum Crash in Ice Age 2 über den Teich fliegt, sondern grübelt darüber, ob Crash auf einer Parabelbahn wirklich so weit gekommen wäre. Dennoch eignet sich das dort erworbene Wissen perfekt um jeden cineastischen Smalltalk abrupt zu beenden: “Kennst du schon ´Red Planet´?” “Ja, aber wusstest du schon, dass man Laserstrahlen im Vakuum des Weltalls gar nicht farbig sehen kann?”





Mathematik beweist Ninja Turtles

26 10 2007

Liegen Schildkröten erstmal auf dem Rücken, sind sie verloren. Während die Beinchen und Ärmchen in der Luft baumeln, sind die umgekippten Panzer-Krabbler ein gefundenes Fressen. Dennoch schaffen es einige Arten, sich wieder aufzurichten. Eine ungarischer Mathematiker hat jetzt nach 12 Jahren Forschung herausgefunden, wie die Tiere das schaffen.

2006 entdeckte Gábor Domokos einen stylischen dreidimensional Körper, der egal wie man ihn auf eine Oberfläche stellt, immer auf der selben Stelle zum Liegen kommt, seinem Schwerpunkt.

Das “Steh-auf-Männchen” heißt Gömböc und sieht aus wie eine Mischung aus Faustkeil und Stempel. Von der Ähnlichkeit mit einem Wassertropfen, wie auf Spiegel-Online beschrieben, möchte ich mich an dieser Stelle distanzieren.

Gömböc: Stehaufmännchen mit nur einem Schwerpunkt. Bild: Gabor Domokos

Domokos kam dann nach einem Spaziergang auf die Idee, seinen Gömböc mit Formen in der Natur zu vergleichen. Relativ schnell wurde er dann auf die Panzer der Schildkröten aufmerksam und scannte in einem Versuch die Panzer von 30 Tieren am Computer ein. Nachdem die Schildkröten auch zum Roll-Versuch angetreten sind, die große Überraschung: Je nach Panzerform und- höhe hatten die Tiere unterschiedliche Rolltaktiken. Trotzdem schafften es nur jede dritte Schildkröte sich von alleine aufzurichten.

Die Sternschildkröte rollt ganz einfach wieder vom Rückstrampler in den Bauchkriescher zurück. Ninja-Turtle Bewegung sozusagen. Warum sie es so einfach hatten: Ihr Panzer ähnelt am meisten dem Gömböc – oder ähnelt der Gömböc nicht eher dem Panzer? Die alte Henne-Ei-Frage.

Nutzt den Gömboc-Trick: die Sternschildkröte. Bild:AP

Knapp 12 Jahre geforscht, um dann herauszufinden dass die geniale Idee schon knappe 250 Millionen Jahre alt ist. “Hier steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug, als wie zuvor.”